Derartige
Fragen stellt sich der numismatische Anfänger schon nach kurzer Zeit.
Wichtig ist für den Anfänger
erst einmal, dass er versucht die Gründe für seine Sammelleidenschaft
ein wenig zu ermitteln. Sammelt er nur zum Zwecke der Gewinnerzielung,
sollte er sein Geld vielleicht besser in Aktien oder Fonds investieren. (Dies
galt vor der Finanzkrise). Steht jedoch
die Freude an der künstlerischen Gestaltung dieser zweidimensionalen
Metallgepräge im Vordergrund, dann gehört er meiner Meinung nach zur Gilde der
SAMMLER. Meine Ausführungen dienen in erster Linie dazu, den noch etwas
unerfahrenen SAMMLER zu beraten.
Was soll dieser SAMMLER nun zusammentragen?
Recht einfach, das was ihm gefällt und was er sich leisten kann. Jeder
sollte beim Sammeln nach seiner Facon selig werden. Jeder sollte die Erhaltungsgrade sammeln, die ihm gefallen. Natürlich ist
dabei zu bedenken, dass bessere Erhaltungen später einmal
beim möglichen Verkauf höhere Preise erzielen. Aber wer denkt schon als engagierter Sammler
beim Erwerb nur an den Verkauf? Wer
Euro-Münzen sammeln will, aus Spaß an der Freude an diesen neuen Münzen, der
soll dies ruhig tun. Hoffentlich erwartet er beim späteren Verkauf der Euro-Münzen keine
riesigen Gewinne.
Seien sie sehr kritisch gegenüber den Gewinnversprechungen
von Händlern. Kein Händler wird ihnen derartige Gewinne garantieren.
Doch bevor man sich für ein Gebiet
entscheidet, sollte man versuchen, sich einen Überblick über
das reichhaltige Angebot der Numismatik zu verschaffen. Neben der Ausrichtung
der Sammlung nach Ländern und Zeiträumen, kann auch das Sammeln
bestimmter Nominale, also nur Pfennige oder nur Taler, recht reizvoll sein.
Das Sammeln bestimmter Motive oder Themen hat für mich jedoch einen
besonderen Reiz, der in der künstlerischen Vielfalt begründet
liegt, die eine solche Sammlung bieten kann. So bietet zum Beispiel das
Gebiet "Münzen und Medaillen der Wissenschaft" nicht nur eine Vielzahl
sehr reizvoller unterschiedlicher Motive, es wurden auch viele unterschiedliche
Materialien für die Herstellung von Münzen als auch Medaillen
genutzt. Weiterhin hat fast jeder bekannte Künstler seine Fertigkeiten
in diesem Bereich unter Beweis gestellt. Über die Jahrhunderte mit
ihren verschiedenen Stilrichtungen ergibt sich auf diese Weise eine wahrhaft
museumsreife Vielfalt. Daher empfehle ich dem Anfänger das Studium
des möglichen Sammelgebietes in numismatischen Zeitschriften, Katalogen
und Fachpublikationen. Häufig weis man als Anfänger nur wenig
über die Vielfalt von Motiven, Materialien, Stilrichtungen und über
die Ausdrucksformen unterschiedlicher Künstler. Im folgenden
Abschnitt geben ich einige Hinweise, welche Möglichkeiten zur
Literaturbeschaffung das Internet bereits bietet.
Häufig kann man sich auch mittels
ausgedienter Auktionskataloge älterer Sammler einen guten Überblick
über ein Sammelgebiet verschaffen. Angebote findet man in Internetauktionen
wie ebay oder
in Münzzeitschriften. Das Studium von Auktionskatalogen und Verkaufslisten
gibt dem SAMMLER einen Überblick über die Häufigkeit der
von ihm gesuchten Stücke. Die Häufigkeit beeinflusst ja
bekanntlich den Preis. Der Händler neigt dazu, das Vorkommen eines
Stückes zu seinen Gunsten zu bewerten. Viel zu oft findet man in Auktionskatalogen
oder Verkaufslisten die Bezeichnung "selten" für Stücke, die diese Bezeichnung nicht
verdienen.
Das so erworbene Wissen kann dem SAMMLER
viel Geld sparen. Er lernt, wie er möglichst günstig
seine Sammelstücke erwirbt. Die gewonnenen Kenntnisse werden ihn auch für die Einflüsterungen von Spekulanten weniger
anfällig machen.
Dies gilt insbesondere beim Kauf von Medaillen, für deren Wert es
eine sehr große Spannweite gibt. Die Preisgestaltung kennt hier keine
so engen Grenzen wie bei Münzen. Medaillen und ihre Preise sind nicht
(oder nur selten) in Katalogen oder Listen erfasst. Der Anfänger wird sich deshalb mit der
Beurteilung schwer
tun, ob der Preis für eine Medaille gerechtfertigt
ist oder nicht. Erst die eigene, oft schmerzhafte Erfahrung oder die rechtzeitige
Anleitung durch einen erfahrenen Sammlerfreund kann ihm helfen, überhöhte
Preise zu vermeiden und Spekulationsprägungen zu erkennen.
Dies gilt für Münzen wie auch Medaillen.
Vor dem Erwerb moderner "Spekulationsprägungen"
möchte ich ebenfalls warnen. Unter Spekulationsprägungen verstehe ich
Münzen, die offiziell von unbekannten Kleinstaaten herausgegeben wurden,
dieses Land aber nie gesehen haben, da sie in einer der großen
Prägeanstalten der Industriestaaten hergestellt wurden. Teilweise in
Nominalen, die über dem monatlichem oder gar jährlichen
Durchschnittseinkommen der Bevölkerung des verausgabenden Landes liegen.
Selbst die geringe Auflage von nur wenigen tausend Exemplaren muss erst
einmal ihre Abnehmer finden. Machen sie die Probe und bieten Sie derartige
Münzen einem Händler an. Wenn der am Ankauf keinerlei Interesse zeigt,
obwohl diese Münzen in seinem Angebot sind, dann lassen sie besser vom
Ankauf die Finger. Es sei denn, sie erwerben das Stück im Bewusstsein eines
Verlustes, möchten aber das Motiv ihrer Sammlung zufügen. Das ist dann ihre
persönliche Entscheidung.
Spekulationsprägungen von Medaillen erkennt man am besten am möglichen
Auftraggeber für die Prägung. Ist dies die Prägeanstalt selbst (z.B. bei
Serien wie unsere Bundespräsidenten, unsere Kanzler, wichtige historische
Ereignisse u.s.w.), so ist eine gewisse Zurückhaltung geboten, insbesondere
bei extremen Preisvorstellungen. Wie viele solcher Serien zum Verkaufspreis
von mehr als 1000 EURO finden in eBay keinen Abnehmer selbst für 50 EURO.
Wurde die Medaille jedoch von einer Institution
zu deren Jubiläum veranlasst, so wird häufig diese Institution als
Auftraggeber fungieren. In solchen Fällen sind weniger Zweifel angebracht.
Historische Medaillen, die anlässlich eines besonderen Ereignisses geprägt
wurden, ergänzen in besonderer Weise jede Münzsammlung eines bestimmten
Gebietes oder Herscherhauses. In letzter Zeit erzielen derartige Medaillen
höhere Zuschläge als seltene Münzen aus der gleichen Zeit. Die künstlerische
Gestaltung von Medaillen ist eben häufig wesentlich ansprechender als die
Gestaltung des
Massenproduktes Münze.
Einige Beispiele von Kunstmedaillen
(am Ende des Inhaltsverzeichnisses) sollen aufzeigen, welche künstlerisch interessanten
Medaillenprägungen es sowohl aus der Vergangenheit als auch
aus der Gegenwart gibt. Die Preise für derartige Medaillen liegen häufig
nicht höher als die PP Ausgaben moderner Gedenkmünzen. Die Gestaltung
der Gedenkmünzen ist hingegen zum
Teil recht einfältig.
Das 10 EURO Stück zum Thema 50 Jahre
Deutsches Fernsehen sehe ich persönlich als Gipfel der Einfallslosigkeit.
Vielleicht hat aber der Künstler damit auch den Mangel an Kreativität des
Fernsehens zum Ausdruck bringen wollen???
Da Kunstmedaillen häufig
als Gussmedaillen ausgeführt werden, ist ihre Auflage sehr gering.
Teilweise werden weniger als 50 Exemplare gefertigt. Dies kann zu interessanten
Wertsteigerungen führen. Derartige Wertsteigerungen hängen natürlich auch
von der künstlerischen Qualität der Ausführung ab und ob das
Motiv oder der Künstler viele Sammler anspricht.
Bei derartigen Überlegungen sollte
man sich immer vergegenwärtigen, dass der Preis einer Münze oder
einer Medaille im wesentlichen durch Angebot und Nachfrage bestimmt wird.
Natürlich sollten diese Überlegungen je nach Veranlagung des
Sammlers eine mehr oder weniger große Rolle spielen, wichtig ist
nur, dass man sich diese Zusammenhänge vor Augen hält, um spätere
Enttäuschungen zu vermeiden.
Im Prinzip ist zwar die Grenze zwischen
Münze und Medaille recht klar gezogen, die Münze weist immer
einen Nennwert aus. Die Medaille ist nur ein Schaustück. Aber haben
Gedenkmünzen, die auch bereits vor über 100 Jahren verausgabt
wurden und nie im Zahlungsverkehr gebraucht worden sind, nicht einen ähnlichen
Charakter wie eine Medaille? Wo befindet sich die Grenze zur Pseudomünze?
Andererseits diente auch manche Massenprägung
aus Aluminium des vorigen Jahrhunderts rein kommerziellen Zwecken. Sie
wurde nicht als besonderes Sammelobjekt erkannt und verschwand häufig
im Abfallbehälter. Heute ist sie jedoch ein interessantes Zeugnis
der damaligen Zeit, mit vielleicht historischem Hintergrund durch die Abbildung
eines im Krieg zerstörten Gebäudes. Ist sie doch zu dessen
Jubiläum veranlasst worden. Ein solches Stück kann schnell über
den damaligen Wert hinaussteigen, wenn sich z.B. mehrere Sammler dafür interessieren und sich auf einer Auktion gegenseitig überbieten.
Die Erzielung des Vielfachen des Schätzwertes ist dann keine Seltenheit.
Das letzte Beispiel soll zeigen, dass
die totale Ablehnung moderner Medaillenprägungen nicht immer berechtigt
sein muss. Wenn derartige Medaillen von Auftraggebern zu bestimmten Anlässen
veranlasst und durch namhafte Künstler realisiert wurden, können
moderne Prägungen durchaus ihren Reiz haben und auch eine mögliche
Wertsteigerung versprechen.
Die letzten Beispiele zeigen deutlich,
dass man nicht pauschal eine Bewertung von Münzen oder Medaillen ausführen
kann. Man sollte immer das einzelne Stück betrachten und versuchen,
den Wert der Prägung zu ermitteln und dann die Kaufentscheidung zu
treffen.
Wichtig ist, dass man angebotene Stücke
bezüglich ihres Charakters (Münze, Medaille, Pseudoprägung
etc.) kritisch hinterfragt, um sich auf diese Weise vor einer Fehlentscheidung
zu bewahren. Dann wird das Sammeln auch weiter Freude machen.
Zum besseren Verständnis meiner Ausführungen möchte
ich an Hand eines Beispiels von zwei Medaillen auf Friedrich dem Grossen
aufzeigen, weshalb ich die eine für künstlerisch wertvoll und die andere für
weitaus weniger gelungen halte.
Die erste Medaille wurde im Auftrage der
Tierärztlichen Hochschule Berlin zur Verleihung an deren Ehrenbürger
geschaffen. Das Porträt von Friedrich dem Grossen ist nicht sehr
detailliert, zeigt aber die allgemein bekannten Gesichtszüge des Herrschers
auf. Die zweite Medaille ist zwar sehr detailliert in allen Einzelheiten
dargestellt, jedoch Friedrich der Grosse ist (für mich zumindest) nicht
charakteristisch zu erkennen. Es könnte genauso gut die Darstellung von
Queen Mum sein.
Weiterhin wird der numismatische
Wert einer Medaille durch den Ausgabeanlass bestimmt. Eine
Ehrenbürgermedaille ist ohne Zweifel zu einem besonderen Anlass hergestellt
worden. Die zweite Medaille besitzt keinen solchen hervorragenden Anlass,
sondern die Prägeanstalt selbst hat sich beauftragt etwas zu schaffen, um
Friedrich den Grossen selbst oder preußische Herrscher zu ehren.
Die Ehrenbürgermedaille erzielte auf der 20. Auktion WAG
einen Zuschlag von 120 €. Die zweite Medaille soll laut Gödes "Deutschem
Medaillen Katalog" einen Wert von 58 DM (29 €) haben. Ich glaube nicht, dass
dieser Wert jemals in eBay erzielt wurde. Ende 2006 wurde diese Medaille im
US eBay angeboten. Sie wurde selbst für ein niedriges Anfangsgebot von US $
8,88 (7,33 €) nicht ersteigert.
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Eine Auflistung von möglichen
Sammelgebieten enthält die Publikation von Walter Grasser:
Medaillen und Plaketten, Heyne Sachbuch
4647, ISBN 3-453-41319-9