Münzen und Medaillen zur Geschichte

der Clausthaler Hochschule

Volker Breme

 

Die Wiederaufnahme des Oberharzer Bergbaus im 16. Jahrhundert wurde durch die Entwicklung mechanischer Bergbaumaschinen wesentlich gefördert. Die Notwendigkeit der Förderung von Erzen aus größeren Teufen, die Wasserhaltung und Bewetterung der Gruben erforderte die Kraftübertragung über und unter Tage. Die Region des Oberharzes entwickelte sich zu einem bedeutenden Industriezentrum der damaligen Zeit. Die im Harz entwickelten Bergbaumaschinen wurden von anderen Bergbauregionen übernommen und machten den Harz über die Grenzen Deutschlands bekannt. Bedingt durch diese technische Entwicklung entstand das Bedürfnis den Berg- und Hüttenbeamten neben der handwerklich-praktischen auch eine wissenschaftlich-technische Ausbildung zu vermitteln. Das notwendige Verständnis für die zunehmende Technisierung konnte nicht allein durch die Vermittlung von Erfahrung erzeugt werden, sondern bedurfte einer wissenschaftlich fundierten Ausbildung in Mathematik, Geometrie und Mechanik. Ein Großteil des notwendigen bergbaulichen Wissens wurde damals von Georg Agricola zusammengetragen und 1556/1557 in seinem zwölfbändigen Kompendium „de re metallica“ veröffentlicht. Mit diesem Werk war für mehrere Jahrzehnte ein wissenschaftliches Werk erarbeitet worden, das den Stand der Technik ausreichend beschrieb und als Lehrbuch und Standardwerk für die Ausbildung im Bergbau genutzt wurde.

Die traditionellen Universitäten waren aufgrund ihrer Ausrichtung in juristische, philologische und theologische Fakultäten nicht in der Lage, dem Bedürfnis nach technisch orientierter wissenschaftlicher Ausbildung ausreichend nachzukommen. Die wissenschaftliche Ausbildung der Berg- und Hüttenbeamten war daher aufgrund des Fehlens technisch wissenschaftlicher Hochschulen den Gymnasien und privaten Schulen überlassen.

Die Clausthaler Lateinschule war die Schule, die den Oberharzer Berg- und Hüttenbeamten für ihre Ausbildung zur Verfügung stand. Seit 1713 wirkte an der Clausthaler Lateinschule der Theologe Henning Calvör, dem es zu verdanken ist, dass diese Schule eine besondere Ausbildung in Mathematik und Mechanik vermittelte. Calvör bemängelte jedoch bereits damals das Fehlen einer Hochschule für die technisch-wissenschaftliche Ausbildung im Bergbau und hat sich um die Gründung einer derartigen Hochschule bemüht.

Henning Calvör wird daher von den Bergbauhistorikern aufgrund seines Engagements für die wissenschaftlichen Ausbildung der Berg- und Hüttenleute und sein Eintreten für die Gründung einer wissenschaftlichen Bildungsstätte auch als der „geistige Vater“ der Clausthaler Hochschule bezeichnet.

Zu 300. Geburtstag von Henning Calvör im Jahre 1986 erschien die in Abbildung 1 gezeigte Medaille. Auf der Vorderseite der Medaille ist die von Calvör entwickelte Wettertrommel zur Belüftung der Gruben dargestellt. Die Rückseite zeigt einen Ausschnitt aus einem Merianstich der Bergstadt Altenau.

Calvör hatte 1726 eine Pastorenstelle in Altenau angenommen, nachdem es zu einem Zerwürfnis mit den Stadtverordneten von Clausthal gekommen war. In Altenau verfasste er auch seine Schriften über den Bergbau. 

 

Abb. 1: Medaille zum 300. Geburtstag von Henning Calvör

Das Zerwürfnis zwischen Calvör und den Clausthaler Stadtvätern verzögerte die Gründung der Clausthaler Bergschule um fast 50 Jahre. Der Mangel an wissenschaftlicher Ausbildung führte in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhundert innerhalb weniger Jahre zur Gründung technisch orientierter Lehranstalten, die noch heute als Hochschulen existieren. Dabei konnten die Gründungen der Bergakademien oder Bergschulen in Freiberg (1765), Schemnitz (1770), Berlin (1774) und Clausthal (1775) auf den bereits an diesen Orten vorhandenen schulischen Bildungseinrichtungen aufbauen.

In Clausthal wurde 1775 unter besonderer Mitwirkung des Berghauptmanns Claus Friedrich von Reden ein einjähriger Unterrichtskurs für 24 Bergleute eingerichtet, der aus der Clausthaler Lateinschule ausgegliedert wurde.

Das Jahr 1775 wird deshalb auch als der Beginn der akademischen bergmännischen Ausbildung in Clausthal angesehen. Leider existieren zu diesem Anlass keine direkten numismatischen Zeugnisse. Die hohe Entwicklung der Münzprägekunst im Oberharz soll durch die beiden nachfolgenden Münzen dokumentiert werden. Zur Zeit der Gründung der Clausthaler Bergschule regierte Karl I. das Fürstentum Braunschweig Wolfenbüttel. Abbildung 2 zeigt einen nur in wenigen Exemplaren geprägten Wildemann-Taler aus dem Jahr 1775.

Abb. 2: Taler aus dem Jahr 1775 für Karl I. von Braunschweig-Wolfenbüttel

Die Rückseite dieses Talers ziert das Wappen des Fürsten von Braunschweig-Wolfenbüttel. LCR sind die Initialen des Zellerfelder Münzmeisters Ludwig Christian Ruperti, der von 1773 bis 1778 in der Zellerfelder Münze arbeitete.

Zur gleichen Zeit war Georg III., König von Großbritannien, in Personalunion auch Kurfürst von Hannover. Ein Großteil der Münzen für das Kurfürstentum Hannover wurde in der Clausthaler Münze hergestellt. Allerdings wurden vom damaligen Münzmeister Johann Wilhelm Schlemm (mit den Initialen IWS) im Jahre 1775 keine Talerstücke geprägt. Die Abbildung 3 zeigt daher einen 2/3 Taler aus dem Jahre 1775 mit dem Porträt von Georg III. und seinem Wappen auf der Rückseite der Münze.

Abb. 3:  2/3 Taler aus dem Jahre 1775 für Georg III., Kurfürst von Hannover

Der Berghauptmann von Reden, dem im Jahre 1775 die Gründung der Bergschule in Clausthal zu verdanken ist, war ein weitblickender wissenschaftlich gebildeter Beamter. In Würdigung seiner Verdienste wurde nach seinem Tode im Jahre 1791 die in Abbildung 4 dargestellte Medaille geschaffen. Die Vorderseite der Medaille zeigt das Brustbild des Berghauptmanns nach rechts, auf der Rückseite ist eine Urne mit Trauerschleier vor einem Tannenwald abgebildet. Diese Medaille wurde in Silber, Bronze und Eisen geprägt und ist nur selten im Münzhandel anzutreffen.

Abb. 4:  Medaille auf den Gründer der Clausthaler Bergschule Claus Friedrich von Reden

Erst im Jahre 1810, als der Oberharz zum „Königreich Westfalen“ gehörte, erhielt die Clausthaler Bergschule ihr erstes eigenes Gebäude. Der zuständige Minister von Bülow erließ für die „Bergschule der Harzdivision“ ein eigenes Reglement, das von dem späteren Göttinger Professor Hausmann verfasst worden war.

Nach der Aufhebung des Königreichs Westfalen im Jahre 1813 kam es zu einer Bestätigung der Bergschule durch die Landesregierung und in der Folgezeit zu einer erfolgreichen und aufblühenden Lehrtätigkeit der Bergschule. In dieser Zeit wurde die umfangreiche Mineraliensammlung durch den Bergapotheker Ilsemann aufgebaut. Im Jahre 1821 wurde die Bergschule durch Angliederung einer Forstschule erweitert und erlebte dadurch eine weitere Belebung des Lehrbetriebes. Oberbergrat Wilhelm August Julius Albert entwickelte im Jahre 1834 das erste Drahtseil, ohne das der Bergbau nicht den weiteren Fortschritt genommen hätte. Auf den Oberbergrat Albert sind in neuerer Zeit 3 Erinnerungsstücke bekannt geworden, die in den Abbildungen 5, 6 und 7 gezeigt werden und auf seine besondere Leistung der Entwicklung des Drahtseiles hinweisen.

Die Medaille in Abbildung 5 wurde anlässlich der durch den MTK Bad Harzburg organisierten Harzüberquerung an die Teilnehmer verliehen. Medaille Nr. 6 entstammt der Medaillenreihe des Moerser Münzvereins auf den Bergbau. Medaille Nr. 7 erinnert an die erste Anwendung des Drahtseils im Carolinenschacht.

Abb. 5:  Erste Medaille auf Oberbergrat Albert und das von ihm erfundene Drahtseil

Abb. 6:  Zweite Medaille auf Oberbergrat Albert und das von ihm erfundene Drahtseil

Abb. 7:  Dritte Medaille auf Oberbergrat Albert und das von ihm erfundene Drahtseil

Dem Schaffen des Oberbergrates Albert verdanken wir auch die Entstehung zweier Münzen aus jener Zeit, als er gleichzeitig das Amt des Münzmeisters in der Clausthaler Münze übernahm. Es sind dies die beiden 2/3 Talerstücke auf die Ausbringung (Ausbeute) der Grube Bergwerkswohlfahrt aus den Jahren 1833 und 1834 (Abb. 8 und 9).

Abb. 8:  2/3 Taler Ausbeute Grube Bergwerks-Wohlfahrt 1833

Abb. 9:  2/3 Taler Ausbeute Grube Bergwerks-Wohlfahrt 1834

Im Jahre 1839 besuchte der damalige König Ernst August vom 18. bis 21. September den Oberharz und insbesondere am 19. September 1839 neben der Clausthaler Münze, die Bergschule und den Bauhof. Aus Anlass dieses Besuches wurden der in Abb. 10 dargestellte Taler und der in Abb. 11 dargestellte Pfennig geprägt.

Abb. 10:  Taler auf den Besuch von König Ernst August in Clausthal 1839

Abb. 11:  Pfennig auf den Besuch von König Ernst August in Clausthal 1839

Doch bereits 1844 wurde die Forstschule nach Hannoversch Münden verlegt. Dies bedeutete eine erhebliche Verringerung des Budgets für die Clausthaler Bergschule. Der zunehmende Bedarf an technisch gut ausgebildeten Berg- und Hüttenbeamten führte jedoch trotz des ständigen Mangels an ausreichenden Geldmitteln zu einer ständigen Verbesserung des Lehrniveaus.

Dies führte zusammen mit den besonderen Bemühungen des damaligen Direktors der Bergschule Friedrich Adolf Römer im Jahre 1864 zur Erhebung der Bergschule in den Rang einer Bergakademie. Leider sind dem Verfasser keine numismatischen Gedenkstücke bekannt, die in irgendeiner Beziehung zu den damaligen Ereignissen oder zu Friedrich Adolf Römer stehen. Bereits kurz nach der Erhebung der Bergschule in den Rang einer Bergakademie musste die Bildungsanstalt schon wieder um ihre Existenz bangen. Nach dem Sieg der Preußen über die Dänen und die Österreicher im Jahre 1866 endete die eigenständige Existenz des Königreichs Hannover. Hannover wurde von Preußen annektiert. Dadurch existierten zwei Bergakademien in Preußen: Berlin und Clausthal. Um den Erhalt der Clausthaler Bergakademie zu sichern, verzichteten die Professoren über längere Zeit auf ihr Gehalt.

Erst zur Errichtung des neuen Akademiegebäudes tritt die Clausthaler Hochschule selbst numismatisch in Erscheinung. Dieses erste Gedenkstück ist eine dem Zeitgeist entsprechende Medaille auf die Einweihung des neuen Hauptgebäudes der Bergakademie im Jahre 1907 und ist in Abbildung 12 dargestellt.

Die Vorderseite zeigt die Büste von Kaiser Wilhelm II. in Kürassieruniform. Auf der Rückseite ist das Hauptgebäude in seiner ursprünglichen architektonischen Gestaltung zu sehen. Die Medaille wurde in Aluminium geprägt, einem Metall, dass in jener Zeit gerne für derartige Erinnerungsstücke Verwendung fand.

Abb. 12:  Medaille zur Einweihung des neuen Hochschulgebäudes

Auch das nächste numismatische Zeugnis aus dem Jahre 1924 ist der Einweihung eines neuen Gebäudes der Bergakademie gewidmet, nämlich der „Aula academica“. Es handelt sich bei diesem Gedenkstück um eine Eisengussplakette, die in der Eisengießerei in Thale im Harz hergestellt wurde und von der zwei verschiedene Varianten existieren. Diese unterscheiden sich durch Veränderungen in der Inschrift, wie es durch die Abbildungen 13 und 14 aufgezeigt wird.

Abb. 13:  Einweihung der Clausthaler Aula academica (Variante 1)

Abb. 14:  Einweihung der Clausthaler Aula academica (Variante 2)

Im Jahre 1939 wurde zur Anerkennung für besondere Verdienste um die Bergakademie Clausthal die Schnabel Medaille geschaffen. Diese Medaille wurde und wird noch heute Bürgern verliehen, die sich in besonderer Weise um die Bergakademie verdient gemacht haben. Eine Auflistung der jeweiligen Träger dieser Auszeichnung enthalten die ersten Seiten des Vorlesungsverzeichnisses der TU Clausthal.

Abb. 15:  Schnabel Medaille

Abbildung 15 zeigt die heutige Ausführung der Schnabel Medaille mit dem Kopf von Prof. Schnabel, der sich insbesondere um das Eisenhüttenwesen verdient gemacht hat. Die Rückseite zeigt in der Umschrift den Beginn eines Liedes, das von Schnabel verfasst wurde: „Es ragen dunkle Tanne zum Himmel ohne Zahl“. Durch Schlägel und Eisen auf beiden Seiten abgegrenzt, zeigt die Umschrift im unteren Teil den Bergmannsgruß „Glück Auf“. Das Feld zeigt in der Mitte einen Schild, der die Verleihungswidmung trägt, im Hintergrund die „Harzer Tannen“ vor dem Brockenmassiv.

Die Zeit nach den zweiten Weltkrieg war für die Clausthaler Bergakademie geprägt durch den Wiederaufbau und später die Umgestaltung in die heutige Technische Universität. Im Jahre 1974 wurde eine wappenförmig gestaltete Wandfliese gefertigt, die an das 25 jährige Bestehen des Institutes für Steine und Erden (heute Institut für nichtmetallische Werkstoffe) und die bevorstehende 200 Jahrfeier der TU Clausthal erinnert. Die einseitige Fliese zeigt das Institutssymbol bestehend aus Schlägel und Eisen und dem Segerkegel (keramisches Messgerät für den Brandzustand des Brenngutes). Die linke obere Ecke zeigt das Porträt des ersten Institutsleiters Prof. Dr. Hans Lehmann, das rechte Porträt das seines Nachfolgers Prof. Dr. Hans-Walter Hennicke (Abb. 16).

Abb. 16:  Keramikfliese zur 25 Jahrfeier des Instituts für Steine und Erden
und zur 200 Jahrfeier der TU Clausthal

Der 200 Jahrfeier der TU Clausthal im Jahre 1975 wird auch durch eine Silbermedaille gedacht (Abb. 17). Die Vorderseite zeigt eine Zweckinschrift mit Bergbau- und Hüttensymbolen. Die Rückseite stellt die Nachbildung einer historischen Medaille dar. Das Original wurde von Heinrich Bonhorst geschaffen. Bonhorst war Münzmeister in der Clausthaler Münze von 1674-1711. Die gezeigte Bergbaulandschaft mit den Füllhörnern soll auf den Reichtum hinweisen, der auf dem Harzer Bergbau gegründet war.

Abb. 17:  Medaille zur 200 Jahrfeier der TU Clausthal

Bereits im Jahre 1979 erschien eine weitere Medaille, die die gute Kooperation zwischen der TU Clausthal und der Industrie zum Ausdruck bringt. Aus Anlass des Erreichens einer Seilkernbohrung von über 1000 m horizontaler Länge im Carbon wurde dieses Erinnerungsstück von der Ruhrkohle AG, der Gewerkschaft Walter und der TU Clausthal in Silber herausgegeben. Die Vorderseite zeigt die symbolische Darstellung einer Diamantbohrkrone, die Rückseite die Logos der beteiligten Institutionen (Abb. 18). Das Forschungsvorhaben war Teil der in diesen Jahren unternommenen Anstrengungen zur Optimierung des mechanisierten Abbaus im deutschen Steinkohlebergbau. Diese Anstrengungen dienten insbesondere der Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Steinkohle und wurden vom Bundesforschungsministerium unterstützt.

Abb. 18:  Medaille zu einem Forschungsvorhaben der TU Clausthal zur Optimierung des Abbaus deutscher Steinkohle

Auch die nächste Medaille zeugt von der internationalen Geltung der Clausthaler Forschung und seiner wissenschaftlichen Veranstaltungen. Sie wurde 1982 anlässlich des 3. Bohr- und sprengstofftechnischen Kolloquiums herausgegeben.

Abb. 19:  Medaille auf das 3. Bohr- und sprengstofftechnischen Kolloquiums

Die Vorderseite zeigt eine Szene, wie sich die erste Sprengung im Oberharz im Jahre 1632, also vor 350 Jahren, abgespielt haben mag. Auf der Rückseite ist ein Schnitt durch ein ungarisches Bergwerk nach alten Unterlagen dargestellt (Abb. 19).

Die Medaille auf den Tod des „Gründungsvaters“ der Clausthaler Hochschule, des Berghauptmanns Claus Friedrich von Reden (Abb. 4), aus dem Jahre 1791 bildet auch die Vorlage für die in Abbildung 20 dargestellte Medaille anlässlich der Tagung „Mining“ in Birmingham im Jahre 1985. Die Rückseite ziert die Nachbildung eines alten Braunschweiger Talers aus dem Jahre 1633 zur Zeit von Friedrich Ulrich, Herzog von Braunschweig-Wolfenbüttel.

Abb. 20:  Medaille auf die Tagung Mining

Ebenfalls 1985 erschien die in Abbildung 21 gezeigte Medaille auf die Bergakademie Clausthal. Diese Medaille erschien im Rahmen einer privaten Emission „Harzer Bergbaumedaillen“ und zeigt auf der Vorderseite Schlägel und Eisen auf Fichtenzweigen. Eine sehr ähnliche Darstellung finden wir auch auf dem Rednerpult der Aula der Clausthaler Hochschule. Die Rückseite zeigt das Clausthaler Stadtwappen. Aufgrund der Herstellung in einer Zinnlegierung und wahrscheinlich mittels Schleuderguss ist das Erscheinungsbild dieser Medaille etwas flau im Vergleich zu einer Prägemedaille.

Abb. 21:  Medaille auf die Bergakademie

Anlässlich des 60. Geburtstags von Prof. Dr. Hans-Walter Hennicke im Jahre 1987 und auf das Institut für nichtmetallische Werkstoffkunde der TU Clausthal wurde eine große Porzellanmedaille gefertigt. Diese einseitige Medaille zeigt das Wappen der TU Clausthal und verweist in der Umschrift auf das Institut für nichtmetallische Werkstoffkunde (Abb. 22).

Abb. 22:  Porzellanmedaille auf das Institut für Steine und Erden

Das nächste Erinnerungsstück (Abb. 23) wurde 1989 anlässlich der Restaurierung des Clausthaler Münzgebäudes von der Kreissparkasse Clausthal herausgegeben und enthält auf der Rückseite die Aufzählung der Eigentümer und Nutzer dieses Gebäudes: die Münzstätte Clausthal, die TU Clausthal und das Studentenwerk Clausthal, die mit dieser Medaille auch ihre Verbundenheit zur Stadt Clausthal zum Ausdruck bringen. Die Vorderseite wurde nach dem Motiv einer Ausbeutemünze gestaltet, das seit dem Jahre 1677 die Vorderseite verschiedener Münzen zierte, die als Löser eine numismatische Besonderheit darstellten. Die wohlhabenden Landeskinder waren zu jener Zeit entsprechend ihres Vermögens verpflichtet diese Ausbeutemünzen zu erwerben und dem Geldverkehr zu entziehen. Ihre Existenz wurde jährlich überprüft. Damit wurde eine Finanzreserve gebildet und der Inflation vorgebeugt. Diese besondere Art der Besteuerung könnte man als eine Art Vermögenssteuer der damaligen Zeit ansehen.

Abb. 23:  Medaille anlässlich der Restaurierung des alten Münzgebäudes

Auch der Clausthaler Schützenverein weist auf die besondere Bedeutung der Clausthaler Hochschule hin, indem er auf der Medaille zur 475 Jahrfeier dieses Vereins das Clausthaler Hochschulgebäude in historischer Form darstellt (Abb. 24). Die Rückseite der Medaille zeigt wiederum das Clausthaler Stadtwappen zeigt.

Abb. 24:  Medaille anlässlich des Jubiläums des Clausthaler Schützenvereins

Die vorletzte Medaille in dieser kleinen Übersicht bildet eine einseitige Porzellanmedaille anlässlich der 50 Jahrfeier des Instituts für nichtmetallische Werkstoffe der TU Clausthal. Die Vorderseite zeigt das Institutssymbol mit Schlägel, Eisen und Segerkegel. Die Umschrift erläutert den Ausgabeanlass. Die Rückseite enthält die handschriftliche Nummerierung dieser Medaille, die in einer Auflage von 400 Stück hergestellt wurde.

Abb. 25:  Porzellanmedaille zum 50-jährigen Bestehen des Instituts für Steine und Erden

Betrachtet man abschließend diese kleine Zusammenstellung von Münzen und Medaillen, so fällt auf, dass in den ersten 132 Jahren des Bestehens der Clausthaler Hochschule keine Erinnerungsstücke geprägt wurden, die einen direkten Bezug zur Clausthaler Hochschule haben. Vielleicht ist dies auch ein Zeichen fehlender Unterstützung insbesondere in der Regierungszeit von Georg III. (1760 – 1820), der ja bekanntlich nie auf deutschem Boden weilte und keine besondere Verbindung zu seinen deutschen Besitzungen hatte. Mit der Schließung der Zellerfelder Münze im Jahre 1791 nach dem Ende des Kommunion Oberharzes und der Schließung der Clausthaler Münze im Jahre 1849 fehlen dann am Ort auch jene Einrichtungen, die eine Prägung von besonderen Münzen oder Medaillen beflügelt hätten.

Wesentlich positivere Umstände förderten diesbezüglich die Freiberger Bergakademie. Bereits mit seiner Gründung erschienen die ersten Prämientaler mit dem Bildnis des Landesherrn. Jeder nachfolgende Landesherr ließ neue Prämientaler herausgeben. Dies war auch ein Zeichen der besonderen Verbundenheit der sächsischen Könige mit ihrer „Königlich Sächsischen Bergakademie“. In der Folgezeit führte das Vorhandensein der Prägeanstalt in Muldenhütten nahe Freiberg zu einem sehr intensiven Medaillenschaffen unter den namhaften Medailleuren Bardulek und Hörnlein.

Erst ab Mitte der siebziger Jahre dieses Jahrhunderts beginnt auch die Zahl der Medaillen auf die Clausthaler Hochschule sprunghaft zu steigen. Die jeweiligen Ereignisse, die dabei gewürdigt wurden, zeugen von der wissenschaftlichen Leistung der Technischen Universität Clausthal und sind ein Zeichen für deren weltweite Bedeutung. Betrachtet man den Umstand, dass selbst Clausthaler Vereine ihre Jubiläumsmedaille mit der Clausthaler Hochschule schmücken, so kann dies als ein positives Zeichen für die Integration der Hochschule in das Leben der Clausthaler Bürger gedeutet werden.

Den Abschluss dieser Darstellung bildet die neue Medaille zur 225 Jahrfeier der Technischen Universität Clausthal. Die Vorderseite zeigt das Wappen der TU Clausthal mit einem Schachtofen, wie er zum Einschmelzen des Münzmetalls gebraucht wurde. Die enge Verbindung der Clausthaler Hochschule zur Entwicklung des Bergbaus und der Münzprägung wird damit zum Ausdruck gebracht. Auf der Rückseite sehen wir die Kuppel der Aula Academica, ähnlich der Darstellung in Abbildung 13 und 14 zur Einweihung dieses Gebäudes.

Abb. 26:  Medaille zur 225 Jahrfeier der TU Clausthal

 

Anmerkung: Die Abbildungen Nr. 4, 5, 7 und 20 wurden mit freundlicher Genehmigung dem Standardwerk von Karl Müseler "Bergbaugepräge" der Preussag Sammlung entnommen.